Diskussion um Sperrstunden helfen nicht weiter


Zur Diskussion um die Einführung einer Sperrstunde und einem möglichen Glasflaschenverbot in Kiel erklärt der jugendpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Tobias von Pein:

Vermeintliche Jugendprobleme durch die Verschärfung gesetzlicher Maßnahmen zu lösen erscheint auf den ersten Blick einfach. Doch die aktuelle Diskussion um eine Sperrstunde in der unmittelbaren Nähe von beliebten Feierlokalitäten in Kiel und Lübeck zeigt, wie ratlos die Verwaltung vor Ort ist. Verbotsdiskussionen verdrängen jedoch die Suche nach den Ursachen von Gewalt.

Zweifellos ist exzessiver Konsum von Alkohol unter Jugendlichen und Erwachsenen auf den genannten Partymeilen ein Problem. Diesem würde mit einem Glasflaschenverbot oder einer Sperrstunde aber nicht begegnet. Eine Sperrstunde würde die Probleme nur in das private Umfeld oder auf öffentliche Plätze verlagern. Die Vorschläge erinnern an die jüngsten Vorstöße von Bundesministerin Schröder. Ihre Idee, mit einer „Sperrstunde“ und der Einschränkung der Freiheit von Jugendlichen dem Alkoholproblem Herr zu werden, liegt eine völlig verstaubte Gesellschaftsvorstellung zugrunde. Sie lösen keine Probleme, sondern verlagern sie nur. Was wir brauchen, ist zum einen mehr Prävention und frühzeitige Aufklärung über die Gefahren von exzessivem Alkoholkonsum, zum anderen starke und verantwortungsbewusste junge Menschen. Dabei wollen wir Schulen, Eltern und Beratungsstellen unterstützen und die Jugendarbeit stärken.

Zudem müssen die Betreiber von Kneipen und Diskotheken vor Ort stärker in die Verantwortung genommen werden. Es kann nicht sein, dass direkt vor deren „Haustür“ Gewalt ausbrechen und Unruhe herrschen kann. Auch im Sinne ihrer eigenen „friedlichen“ Partygäste müssen die Betreiber gemeinsam mit der Verwaltung nach angemessenen Lösungen suchen. Das bestehende Recht muss zunächst konsequent umgesetzt werden. Diskussionen über überzogene repressive Maßnahmen helfen da nicht weiter.