Es gibt keinen Anlass die Reformation zu romantisieren


Schleswig-Holstein hat im Vergleich zu anderen Bundesländern weniger arbeitsfreie Tage. Das ist zweifelsohne ungerecht und aus Arbeitnehmer- oder Gewerkschaftersicht auch nicht akzeptabel. Deshalb finde ich die Initiative der Einführung eines neuen Feiertags auch richtig und wichtig.

Hier den Reformationstag zu nehmen, halte ich jedoch für falsch. Ist er doch etwas anderes als ein weltlicher Feiertag.

Im Jahr 2018, wo sich viele Menschen – die Mehrheit in diesem Land – eben keiner Konfession zugehörig fühlen  oder sich mit religiösen Fragen beschäftigten, passt dies nicht wirklich in die Zeit. Ohne Frage ist die Reformation kein alleiniges religiöses Ereignis gewesen, jedenfalls nicht das was in Vielem danach an Aufklärung und gesellschaftlichen, auch demokratischen Fortschritt folgte. Dies erkenne ich aus weltlicher Sicht durchaus an. Auch wenn vieles davon erst viel später einsetzte. Auch für evangelische Fürsten gab es damals zunächst nur einen wahren, also legitimen Glauben. Erst hunderte Jahre später werden auch andere Weltanschauungen akzeptiert.

Es gibt keinen Anlass die Ereignisse um die Reformation und was daraus folgte, zu romantisieren.

Auch wenn die Reformation also zweifelsohne den Weg zu weitgreifenden gesellschaftlichen Umbrüchen bereitet hat, bleibt sie untrennbar mit dem Namen Martin Luthers verbunden. Und dass dieser ganz bestimmt kein Heiliger war, ist bewiesen. Seinen Antisemitismus hat er unverhohlen ausgesprochen. Seine judenfeindlichen Äußerungen oder seinen 7-Punkte-Plan nur als Beispiel erwähnt. Das gehört zum Bild dazu. Da kann man auch nichts allein im historischen Kontext betrachten, es gibt auch nichts davon zu relativieren.

Wenn es heute also eine breite Mehrheit für den Reformationstag als nächstem gesetzlichem Feiertag in Schleswig-Holstein gibt, so muss zumindest die kritische Aufarbeitung der schwierigen Personalie Luther garantiert sein.

Ich erwarte, dass der Reformationstag Raum gibt, um sich kritisch mit seiner Person auseinanderzusetzen. Die Bestrebungen dazu im Reformationsjubiläum 2017 waren gut. Dies muss auch fester Teil der politischen Bildungsarbeit rund um den Reformationstag (egal ob Feiertag oder nicht) sein. Eine wachsende Zahl von Menschen in Schleswig-Holstein identifiziert sich mit keiner Religion. Und das dürfen wir nicht einfach ausblenden.

Als säkularer Sozialdemokrat hätte ich einen weltlichen Feiertag für zeitgemäßer und in diesem Haus auch mehrheitsfähig gehalten!

Der Tag der Landesverfassung oder Tag des Kieler Matrosenaufstandes wären eindeutig bessere Alternativen gewesen.

Daher kann ich dem vorliegenden Beschlussvorschlag nicht zustimmen.