Die Gesundheit unserer Kinder muss uns mehr Wert sein als die Freiheit zur Rücksichtslosigkeit


Am 14.6.2018 hat der jugendpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Tobias von Pein folgende Rede zur Einbringung des Antrags zur „Stärkung des Nichtraucherschutzes für Kinder und Jugendliche“ (Drs-Nr.: 19/748) gehalten. Sie ist hier online in der Mediathek des Landtags als Tagesordnungspunkt 24 der 12. Tagung abrufbar.

 

Kinder sollen gesund und ohne Einschränkungen aufwachsen können. Und dazu müssen wir ihnen alle Möglichkeiten geben und sie vor Gefahren schützen. Für uns Sozialdemokraten ist klar. Das Recht von Kindern auf körperliche Unversehrtheit steht für uns an oberster Stelle. Heute geht es um eine Sache, die man leider immer noch (wer ganz genau hinsieht) im Straßenverkehr sehen kann: Vollgequalmte Autos in denen Kinder oder Jugendliche sitzen. Etwas was leider noch immer legal in Deutschland ist. Wir wollen dem einen Riegel vorschieben. Das Rauchen im Auto im Beisein von Kindern darf nicht länger ungestraft bleiben. Deshalb wollen wir als SPD das Rauchverbot in Autos. Ich finde, die Gesundheit unserer Kinder muss uns mehr Wert sein als die Freiheit zur Rücksichtslosigkeit. Das liegt mir als junger Vater ganz besonders am Herzen. Kinder haben ein Recht darauf, sich in einer Umgebung zu entwickeln, die sie nicht krank macht.

Tabakrauch enthält viele giftige Substanzen. Liebe Raucher und Raucherinnen, jetzt bitte genau zuhören:

Blausäure, Ammoniak, Teer,

Kohlenmonoxid,

eine Vielzahl krebserregender Stoffe wie Arsen,

polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe,

N-Nitrosamine,

Formaldehyd.

Und für Kinder ist das ganz besonders schlimm, wenn sie dem passiven Rauch ausgeliefert sind. Über 8 Mio. Kinder und Jugendliche unter 18 leben in einem Haushalt mit mindestens einem Raucher oder Raucherin. Und Kinder sind besonders belastet, weil ihre Körper sich noch in der Entwicklung befinden. Weil sie eine höhere Atemfrequenz haben, nehmen sie die Giftstoffe des Tabakqualms in deutlich höherer Konzentration auf als Erwachsene. Kinder nehmen in einem verqualmten Raum jede Stunde so viel Rauch auf, als hätten sie selbst eine Zigarette geraucht. Und lüften bringt da auch nix. Denn die Schadstoffe setzen sich in Tapeten, Teppichen, Vorhängen, Möbeln und in der Kleidung fest.

Schon vor gut 10 Jahren wurde darauf verwiesen, dass nicht nur in Wohnungen, öffentlichen Gebäuden oder Gaststätten eine hohe Belastung herrscht. Gerade auf engstem Raum, etwa in Autos, ist die Konzentration von Tabakqualm besonders hoch: Fünfmal so hoch wie in einer verrauchten Bar! Ich finde wir müssen ernsthaft über eine Ausweitung des Nichtraucherschutzes reden. Die Maßnahmen und Verbote, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten gekommen sind, wirken! Mittlerweile sind selbst überzeugte Raucher überrascht, wieviel angenehmer der Aufenthalt in rauchfreien Bereichen ist. Und auch diese Diskussion bringt uns wieder einen Schritt weiter. Im Sinne der Gesundheit und im Sinne des Schutzes von Kindern und Jugendlichen.

Der Blick über den Tellerrand zeigt, dass es geht: Länder wie England, Wales, Italien, Griechenland, Frankreich und Österreich haben gehandelt. Deutschland hinkt bei diesem Thema hinterher. Wir hätten schon weiter sein können, wie auch der Kinderschutzbund – wie ich finde zu recht – anmerkt! Auch deshalb wollen wir, dass das Rahmenübereinkommen der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs endlich umgesetzt wird. Dass sie (liebe Jamaika-Koalition) hier drauf keinen Bezug nehmen wollen, wundert mich sehr. Ich halte es weiter für notwendig. Denn was steht drin? Passivraucherschutz, Tabakprävention, Verbot von Tabakwerbung und die Ausweitung von Rauchstoppprogrammen. Wir müssen hier endlich konsequenter werden. Schade, dass sie nicht den Mut dazu haben. Manche sagen: Als nächstes kommt das Rauchverbot in den eigenen vier Wänden oder wenn man allein im Auto sitzt. Dazu muss ich sagen: Wir können niemanden zwingen, sich selbst Schaden zuzufügen. Aber wir müssen die Autofahrer dazu bringen, ihre Kinder nicht zu schädigen. In anderen Ländern werden empfindliche Geldstrafen fällig. Teilweise bis zu 1000€. So etwas kennen wir auch aus unserem Landes-Nichtraucherschutzgesetz und deshalb kann ich mir ein solches Strafmaß auch für diesen Bereich vorstellen.

Ich freue mich, dass die Landesregierung unsere Initiative aufgreifen will. Seien Sie sich sicher, wir werden ganz genau darauf schauen, ob und wie sie das umsetzen werden. In diesem Punkt treiben wir Sie gern an. Lassen Sie uns gemeinsam dafür Sorge tragen, dass der Kinderschutz verbessert wird. Das Rauchverbot in Autos mit Kindern muss kommen. Besser heute als morgen.