12. Juni – Welttag gegen Kinderarbeit

Tobias von Pein

Wenn ein Kind auf der Welt Kinderarbeit leisten muss, ist das ein Angriff auf alle Kinder

Laut Schätzung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) müssen 152 Millionen junge Menschen Kinderarbeit leisten. Das heißt, die Kinder müssen unter Bedingungen arbeiten, bei denen ihre elementaren Rechte missachtet und Chancen verbaut werden. 73 Millionen dieser Kinder arbeiten unter ausbeuterischen Bedingungen und rund vier Millionen Kinder leiden nach Schätzungen des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) unter extremen Formen der Ausbeutung und Zwangsarbeit.

Kinderarbeit ist vor allem ein Problem in den Staaten des globalen Südens, wir hier im Norden dürfen aber nicht wegschauen. Dieses Phänomen hat im globalen Kontext ganz konkret etwas mit unserem alltäglichen Leben zu tun. Kinderarbeit zu verbieten, reicht nicht aus: Die Lebensbedingungen der Kinder müssen verbessert werden. Es geht unter anderem um faire Arbeitsbedingungen für ihre Eltern. Denn oft müssen Kinder arbeiten, damit die Familien über die Runden kommen. Da ist dann unter anderem unser Einkaufsverhalten gefragt: Sind die Produkte fair produziert und gehandelt? Kann und will ich mir Produkte von einem fairen Anbieter leisten?

Dennoch darf die Verantwortung nicht alleine auf den Konsumenten abgeladen werden. Nicht alles kann über das Einkaufsverhalten geregelt werden. Deshalb erwarte ich von den Kollegen im Bundestag und in der Bundesregierung, dass sie da weiterhin Druck machen. Für die internationale Umsetzung von entsprechenden Forderungen ist unter anderem das CSU-geführte Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zuständig. Wobei sich auch die Landespolitik nicht wegducken darf – auch wir müssen überlegen, wie wir etwas gegen weltweite Kinderarbeit tun können. Und selbstverständlich haben die Unternehmensleitungen eine große Verantwortung.

Auch in Deutschland gibt es das Phänomen der Kinderarbeit. Unter anderem weist das Deutsche Kinderhilfswerk in einem Positionspapier darauf hin. Viele Kinder und Jugendliche machen erste Arbeitserfahrungen, zum Beispiel wenn sie Zeitungen austragen. In der Regel geschieht dies im Einklang mit den geltenden Regelungen und das kann ja auch eine gute Erfahrung sein. Es gibt allerdings auch Arbeiten, die nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz verboten sind. Die Arbeit von jungen Menschen muss sich strikt an den gesetzlichen Vorgaben und am Prinzip der Freiwilligkeit orientieren. Die Aufgabe der Landespolitik ist es, wirkungsvolle Kontrollen zu gewährleisten und die Vorschriften des Jugendschutzgesetzes bekannter zu machen.

Beim Thema Kinderarbeit gibt es neben viel Schatten zum Glück auch Licht. Die Zahl der Kinderarbeiter*innen ist in den letzten Jahren deutlich gesunken: Laut UNICEF gab es im Jahr 2000 noch 246 Millionen. Das Ziel der meisten UN-Mitgliedsstaaten, Kinderarbeit bis 2025 abzuschaffen, ist allerdings ziemlich optimistisch. In den nächsten fünf Jahren ist da noch einiges zu tun. Aber nachlassen gibt’s jetzt nicht.

Der „Welttag gegen Kinderarbeit“ ist eine gute Gelegenheit das Thema breit und auf allen Ebenen anzusprechen. Denn wenn ein Kind auf der Welt Kinderarbeit leisten muss, ist das ein Angriff auf alle Kinder und damit ist es auch ein Thema für mich als Landespolitiker.

Stand der Zahlen von 2019.