Straßennamen im Hier und Jetzt bewerten


Zum Beschluss des Bildungs- und Kulturausschusses in Ahrensburg zur Überprüfung von Namensgebungen im öffentlichen Raum vom 03. September 2020.

Selbstverständlich können wir historische Persönlichkeiten aus einer heutigen Perspektive betrachten und bewerten. Wir müssen dies sogar – wir laufen ja schließlich heute durch die Straßen und nicht vor 50 Jahren. Nicht auszumalen, durch welche Straßen wir liefen, dürfte man sie nicht umbenennen und den zeitgemäßen Werten anpassen. Deshalb ist es grundsätzich ein erfreulicher Beschluss, der im Bildungs- und Kulturausschuss in Ahrensburg gefällt wurde. Dieser sieht vor, dass eine Kommission eingesetzt wird, die nach historischen Persönlichkeiten benannte Orte (Straßennamen etc.) in Ahrensburg überprüfen soll.

Es ist aus Sicht vieler Menschen einfach nicht mehr zeitgemäß, Straßen oder andere Orte nach Kolonialherren, preußischen Demokratieverächtern oder NS-Personal zu benennen. Deshalb ist es auch ein mutiger und zeitgemäßer Schritt in die richtige Richtung, den der Ausschuss beschlossen hat.

Straßennamen sind immer auch eine Ehrung. Es ist dabei nur bedingt oder nicht von Bedeutung, was der Grund für die Benennung war – sei es, dass eine Person tatsächlich geehrt werden sollte, weil sie dort einmal gelebt hat, dort etwas entdeckt hat, oder für den benannten Ort die Geldbörse aufgemacht hat. Personen wie Heinrich Carl von Schimmelmann oder Alfred Rust haben sich aus heutiger Sicht aber nicht ehrenhaft verhalten.

Zu Schimmelmann & Kolonialismus in Ahrensburg im Speziellen: Die Aufarbeitung des kolonialen Erbes ist ein notwendiger Teil der Diskussion um heutigen Rassismus. Dieser hat eine seiner Wurzeln im kolonialen Denken europäischer Eroberer und Gelehrter. Daher kann die Debatte um entsprechende Personen und Denkmuster selbst, wenn sie denn gut und breit geführt wird, ein wichtiger Teil der Aufarbeitung sein. Hier bleibt abzuwarten, wie der Prozess der Aufarbeitung vonstattengeht und welche Schlüsse daraus gezogen werden. Am Ende stehen hoffentlich ein kritisches Bewusstsein und erhöhte Sensibilität für das Thema bei den Bürgerinnen und Bürgern in Ahrensburg und darüber hinaus.

Im Juni beschäftigte sich der Schleswig-Holsteinische Landtag mit der kolonialen Vergangenheit in Schleswig-Holstein (Link): „Unbekannte“ Kolonialgeschichte ins Bewusstsein rücken (Landtag 18. Juni 2020).

Wer wissen will, worum es in der Diskussion in Ahrensburg geht (Link): Benennungen und Ehrungen im öffentlichen Raum (Diskussion im Bildungs-, Kultur- u. Sportausschuss Ahrensburg – 03.09.2020 – 19:30-21:45 Uhr)

Fühere Stellungnahme zum Thema Kolonialgeschichte in Ahrensburg (Link): Kolonialismus: Auch in Stormarn gibt es Gesprächsbedarf (Juni 2020)

Am 30.09. veranstaltet das FES-Julius-Leber-Forum eine Podiumsdiskussion zum Thema „Schatten über dem Schloss. Wie und wo lebt die koloniale Vergangenheit heute fort?“ in der Stadtbibliothek Ahrensburg. Ich darf auf dem Podium mitdiskutieren. Anmeldung unter (Link): Schatten über dem Schloss. Wie und wo lebt die koloniale Vergangenheit heute fort?